Lateinamerikanistik
beinhaltet die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache(n) und Kulture(n) der von Spanien und Portugal kolonisierten Länder Mittelamerikas (inklusive Mexikos), der Antillen und Südamerikas. Die französischen Gebiete Amerikas (Quebec, Louisiana, Haiti, Französisch-Guayana etc.) sowie englischsprachige Inseln in den Antillen sind nicht Gegenstand der Lateinamerikanistik. Insofern sie sich mit Hispanoamerika befaßt, ist sie Teilgebiet der Hispanistik, bezüglich Lusoamerika gehört sie zur Lusitanistik.
Spanisch und Portugiesisch werden weltweit von fast 600 Millionen Menschen
als Muttersprachen gesprochen (Englisch hat, zum Vergleich, etwa 471 Millionen muttersprachlicher Sprecher, Französisch ca. 63 Millionen). Die Bezeichnung Lateinamerikanistik wurde erforderlich, da der Terminus
«Amerikanistik», der ursprünglich die Wissenschaftsdisziplin für die Beschäftigung mit den altamerikanischen Sprachen und Kulturen war (vgl. die noch heute existierende Société des Américanistes in Paris, die eine der
ältesten wissenschaftlichen Gelehrtenvereinigungen der Welt ist, sowie die renommierte Fachzeitschrift International Journal of American Linguistics(Bloomington)), nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt einschränkend für
die Beschäftigung mit dem anglophonen Nordamerika (USA und Kanada) verwandt wurde. An deutschsprachigen Universitäten wird die Lateinamerikanistik sowohl als eigener Studiengang (in Augsburg, an der Freien Universität
Berlin, in Eichstätt und Hamburg) als auch als Schwerpunkt in hispanistischen bzw. romanistischen Studiengängen angeboten. Der Deutsche Hispanistenverband
vertritt die Interessen der zu den hispanophonen Ländern Lateinamerikas forschenden Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaftler, der Deutsche Lusitanistenverband
die der zu Brasilien arbeitenden Linguisten und Literatur- und Kulturwissenschaftler. Insbesondere Geographen, Politik- und Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler, Historiker, Altamerikanisten, Ethnologen u. a. sind in der «
Arbeitsgemeinschaft deutscher Lateinamerikaforscher» (ADLAF) einen losen Verbund eingegangen. Die wichtigsten Zentren im deutschsprachigen Raum sind die Universitäten in Augsburg (u. a.
interdisziplinärer Studiengang, wichtige sprachwissenschaftliche Projekte), Bremen (u. a. wichtige sprachwissenschaftliche Projekte und Editionstätigkeit), Freie Universität Berlin (u. a. eigenes Lateinamerika-Institut
mit umfangreichem Lehrangebot, zahlreiche internationale Forschungsprojekte zur Altamerikanistik, der Literaturwissenschaft und Kulturstudien in kreolophonen Gebieten), Humboldt-Universität zu Berlin, Bochum, Eichstätt
(u. a. zahlreiche Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Literaturwissenschaft, wichtige Editionstätigkeit), Freiburg im Breisgau (u. a. international anerkannte Forschungsprojekte zur Sprachwissenschaft), Heidelberg (u.
a. Forschungsprojekte zur Sprach- und Literaturwissenschaft), Kiel (u. a. Forschungsprojekte zur Sprachwissenschaft), Köln (u. a. Brasilienschwerpunkt, umfangreiche historische Forschungen), Mainz (u. a. wichtige
Publikationen zur Politikwissenschaft, Religionswissenschaft und Literaturwissenschaft, umfangreichste Beziehungen einer deutschen Universität zu Kolumbien), Mainz-Germersheim (Lateinamerikazentrum - CELA - mit den
Schwerpunkten Brasilien und Kolumbien, Studentenaustausch u. a. mit Venezuela, Editionstätigkeit, sprachwissenschaftliche und literaturwissenschaftliche Projekte), Münster (u. a. Lateinamerikazentrum - CeLA - mit
unterschiedlichen Forschungsaufgaben) und Wien (u. a. traditionsreiches Lateinamerikainstitut mit wichtigen altamerikanistischen Forschungen). Eine internationale Spitzenstellung in der Lateinamerikanistik hatte von
1987 bis 1999 das Ibero-Amerikanische Institut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin inne. Dieses Institut verfügt nicht nur über eine der weltweit besten Spezialbibliotheken, sondern war auch ein national und
international geachtetes Dokumentations- und Forschungszentrum. Spezialsammlungen zu Lateinamerika haben auch die Bibliotheken der Universitäten in Hamburg, Frankfurt am Main, Münster sowie in Mainz-Germersheim (zu
Brasilien und Kolumbien). Lateinamerikaforschung wird in Deutschland auch von einigen nichtuniversitären Instituten durchgeführt (u. a. in Hamburg, Mettingen, Stuttgart). Weitere Seiten im Internet: http://www.hispanistik.com/ http://www.lusitanistik.de/ http://www.brasilianistik.de/ http://www.kreolistik.de/
http://www.romanistik.com/ http://www.hispanistica.de/
http://www.lusitanistenverband.de/ Eine sehr nützliche Liste hat Dr. Wolf Lustig (Universität Mainz) zusammengestellt: http://www.romanistik.uni-mainz.de/ifr/ (im Ordner Lateinamerikanistik)
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